2. Fall: Welche Preispolitik würden Sie hier empfehlen? .
Die Firma ElektroPlus AG hat ein vollkommen neues Navigationssystem entwickelt. Die Bedienung ist wesentlich konfortabler als bei allen
Navis, die es bisher auf dem Markt gab. Die Fachzeitschriften bejubeln die neue Technik. ElektroPlus AG rechnet nach ersten
Marktforschungen mit einem sehr großen Erfolg.
Welche Preisstrategie empfehlen Sie der ElektroPlus AG für dieses Gerät?
Eine Hochpreispolitik scheint hier angebracht zu sein.
Das Produkt ist einzigartig. Die Presse bejubelt es und es kann damit gerechnet werden, dass die Nachfrage entsprechend hoch sein
wird. Allerdings hat die ElektroPlus AG kein Monopol, da der Kunde nach wie vor auf die klassischen Navigationssysteme zurück
greifen kann. Doch aufgrund der bisherigen Marktreaktion, ist eine dauerhafte Hochpreispolitik zu empfehlen.
Eine Niedrigpreispolitik wäre wohl Verschwendung
Es gibt keinen Grund, das Produkt zu niedrigen Preisen anzubieten. Es wäre eventuell sogar schädlich, da der niedrige Preis auch eine
niedrige Qualität suggeriert. Daher sollte keinesfalls die Niedrigpreispolitik gewählt werden.
Eine Skimmingpolitik ist hier denkbar.
Für die Anwendung der Skimmingpolitik muss die Nachfrage deutlich größer als das Angebot sein. Das scheint hier der Fall zu sein.
Allerdings sollte geprüft werden, ob die Preise beim Markteintritt tatsächlich sehr hoch angesetzt werden sollten. Der Kunde kann nach
wie vor auf Navigationssysteme mit einer anderen Technik zurück greifen. Es muss untersucht werden, ob der Kunde beim Kauf eines
Navis von der ElektroPlus AG tatsächlich einen solchen Vorteil genießt, der einen extrem hohen Preis rechtfertigt. Der
Markteinführungspreis muss zum Produkt, zum Markt und zur angestrebten dauerhaften Preispolitik passen.
Die Penetrationsstrategie ist hier absolut ungeeignet.
Die Penetrationsstrategie wird angewandt, wenn ein neuer Marktteilnehmer auf einem gesättigten Markt Fuß fassen will. Mit der neuen
Technik, die schon vor der Markteinführung bejubelt wird, wäre die Penetrationsstrategie echte Geldverschwendung.
Eine Preisstrategie im mittleren Bereich ist eher nicht denkbar
Mit dem Preis suggeriert die ElektoPlus AG auch die Qualität des neuen Systems. Wenn sich der Preis nun in der Höhe von anderen
Navigationssystemen befindet, dann betrachten die Kunden dieses System auch als vergleichbar. Das geht aus der Darstellung aber
nicht hervor. Eine mittlere Preisstrategie kann immer noch gefahren werden, sobald die erste Nachfrage befriedigt ist. Aber dann reden
wir von der Skimmingstrategie.
Eine Preisdifferenzierung ist hier ungeeignet.
Das Produkt spricht eine klare Zielgruppe an und die ist bereit, für diese Technik Geld auszugeben. Es gibt keinen Grund, den Markt
preislich zu differenzieren.
Es ist wohl keine wettbewerbsorientierte Preisfestsetzung, obwohl ...
Es gibt noch keinen echten Wettbewerber, daher kann sich die ElektroPlus AG auch mit niemandem vergleichen.
Allerdings kann sich die ElektroPlus AG mit den Anbietern der herkömmlichen Navigationssysteme vergleichen. Dann sollten sie die
eigenen Preise aber höher festlegen. Falls Sie das meinten, dann bekommen Sie Ihre Punkte.
Die nachfrageorientierte Preisfestsetzung ist hier kaum möglich.
Bei dieser Preisfestsetzung wird mittels intensiver Marktforschung der Preis gesucht, bei dem der Kunde genau das verfügbare
Angebot kaufen würde. Dies wäre der Marktgleichgewichtspreis. Allerdings ist diese Ermittlung extrem aufwändig, teuer und letztendlich
immer noch ungenau. Kundenmeinungen verändern sich.
Auch wenn derzeit viele Kunden behaupten, dass Produkt kaufen zu wollen, bleibt abzuwarten, wie sie tatsächlich reagieren.